Daumen hoch für die Kunst?! Die erste Like-Ausstellung der Welt

In der neuseeländischen Stadt Nelson kann man diese Woche Kunstwerke wie den „Cowbuster“, einen Burger aus Stoff und Wolle, live liken. Das Publikum entscheidet, welche Kunstwerke über Facebook verbreitet werden. Der erste Schritt zur Blockbuster-Kunst?

 

Wer die Ausstellung des Marlborough Institute of Technology sehen will, wird am Eingang mit drei Like-Stickern im Facebook-Design ausgestattet. Besucher können sie direkt neben ihre Lieblingskunstwerke kleben. Am Ende der Ausstellung werden die 5 Arbeiten mit den meisten Likes fotografiert und auf die Facebook-Fanseite des Marlborough Instituts gestellt – für einen zweiten Like-Durchgang auf Facebook. David James, ein Sprecher der lokalen Kreativindustrie sieht in dieser Ausstellungsart eine Möglichkeit, den interaktiven, virtuellen Spaßfaktor sozialer Netzwerke auf die reale Welt zu übertragen.

 

Ein Burger mit Tiefgang

Hoffentlich wird es das Werk „Cowbuster“, ein Hamburger aus Stoff und Wolle, unter die Top Five schaffen. Die Künstlerin Carol Alloway will mit ihrem Werk auf die verbreitete Verwendung von unnatürlichen Lebensmitteln, wie „Pink Slime“-Fleisch aufmerksam machen. Dabei handelt es sich um ein Industrieprodukt aus Rind, das ursprünglich für Tiernahrung verwendet wurde. In einer Zentrifuge wird das Fett entfernt, danach wird das Fleisch mithilfe von Säure und Ammonium desinfiziert – die englische Sprache findet hierfür passende Ausdrücke wie „processed beef“. Mittlerweile darf „Pink Slime“ zu 15 % in Lebensmitteln enthalten sein. Die Künstlerin will mit ihrer Burger-Skulptur auch die ausgedehnte neuseeländische Rinderzucht und deren Zusammenhang mit der Erderwärmung zum Thema machen.

 

Like-Button-Facebook-Kunst

 

Das Publikum entscheidet – wird Kunst zur Ware?

Es ist gut vorstellbar, dass sich das neue Like-Ausstellungskonzept andernorts wiederholt. Zu wissen, was Menschen sehen wollen, erleichtert die Wahl der Themen und garantiert bei zukünftigen Kunstprojekten Erfolg beim Publikum. Man könnte die Like-Ausstellung aus einer wirtschaftlichen Perspektive betrachten und sagen „der Kunstmarkt reguliert sich selbst durch die Nachfrage in der Gesellschaft“. Damit wäre der zeitgenössischen Kunst aber womöglich eine ihrer wichtigsten Aufgaben entzogen: Unangenehme und unpopuläre Positionen aus der Gesellschaft aufzugreifen und die Menschen zum Nachdenken zu bringen. Wenn das Publikum allein entscheidet, was gut ist und medial verbreitet werden darf, wird die Kunst wie unser Fernsehprogramm, bei dem die Einschaltquoten zählen: Eine Kombination aus Blockbustern, Soaps und belanglosen Reportagen: emotionalisiert und leicht eingängig.

Wie die Kunstabstimmung über Likes in Nelson ausgeht, berichten wir bald hier.

 

 

 

hd

Bildquelle: Eigene Bilder, alle  Rechte vorbehalten

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