Jan Van Dijk: die sieben Gesetze des Internets

Der Kommunikationswissenschaftler Jan Van Dijk hat den viel zitierten Begriff der Netzwerkgesellschaft geprägt. Er berät die Europäische Kommission bei Fragen zu Kommunikations- und Informationstechnologien. Auf der Bright Konferenz 2012 hat er über die Struktur der Netzwerkgesellschaft gesprochen und vor zunehmender Medienkonzentration gewarnt. Seine wichtigsten Erkenntnisse hat er in sieben Gesetzen des Internets formuliert. Die könnt ihr bei uns nachlesen.

Jan Van Dijks Theorie nach ersetzen bzw. erweitern soziale Netzwerke und Mediennetzwerke die Face-to-Face-Kommunikation. Die im Entstehen begriffene Netzwerkgesellschaft ist instabil, ihre Mitglieder folgen der Masse und zeigen so genanntes ‚herd behavior‘. Die wichtigsten Ressourcen der vernetzten Gesellschaft sind Raum (Speicherplatz) und Zeit (Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer). Um in ihr leben zu können, müssen ihre Mitglieder die Funktionen der Netzwerke, die sie umgeben, kennen. Van Dijk lehrt derzeit an der niederländischen Universität Trente. Dort beschäftigt er sich mit soziologischen Fragestellungen in der Informationsgesellschaft. Als letzter Redner auf der Bright Konferenz „Networks. Complex Futures“ stellt Van Dijck sieben Internetgesetze auf:

1. The Law of Articulation Unsere Gesellschaft ist vernetzt und organisiert Beziehungen über neue Medien wie Soziale Netzwerke. Dabei wird die persönliche Kommunikation ersetzt bzw. ergänzt. Netzwerke sind die gängige Organisationsform der Gesellschaft und treten überall in Erscheinung.

2. The Law of ExternalityNetzwerke beeinflussen das menschliche Verhalten. Je mehr Mitglieder ein Netzwerk hat, desto mehr Personen treten ihm weiter bei. Wer bis zuletzt wartet, ist irgendwann gezwungen, sich zu vernetzen. Das Netzwerk wächst ab diesem Zeitpunkt nur noch in geringem Umfang weiter; die Entwicklung lässt sich mit einer S-Kurve, einem mathematischen Modell, das häufig dazu benutzt wird, die Einführung von Innovationen zu visualisieren, beschreiben.

3. The Law of ExtensionWenn Netzwerke wachsen, haben sie eine Tendenz, zu groß zu werden. Vermittler wie Suchmaschinen und Portale (Intermedia) werden nötig, um die Informationsflut zu bewältigen. Wenige große Unternehmen teilen sich die Macht im Netz. Regulierungsmaßnahmen wie Netzneutralität sind unumgänglich.

4. The Law of Small Worlds Soziale Netzwerke können als Small World Modelle dargestellt werden. In Small World Netzwerken sind nicht alle Beteiligten direkt miteinander bekannt, können sich aber über wenige Schritte erreichen, weil sie Menschen kennen, die zwischen ihnen und der gewünschten Kontaktperson stehen. Je vernetzter die Welt wird, desto weniger Schritte müssen unternommen werden, um mit einer Personen gezielt in Kontakt zu treten.

5. The Law of Limits to AttentionIm Internet ist es leicht, zu sprechen, aber sehr schwer, gehört zu werden. Die Nutzer werden mit Informationen überhäuft. Wer sie anbietet, muss hart um die Aufmerksamkeit der Leser kämpfen.

6. The Power Law on  NetworksAnbieter von Information, die ohnehin schon gut verlinkt und erfolgreich sind im Netz, wachsen. Kleine Anbieter bleiben klein oder verschwinden wieder. Es gibt wenig mittelgroße Informationsanbieter.

7. The Law of Trend AmplificationNetzwerke sind relational. Sie schaffen keine neuen Gesellschafsstruktuen sondern verstärken häufig ohnehin schon existierende Aktivitäten und Tendenzen.

Mehr dazu gibt es in Van Dijks Buch „The Network Society. Social Aspects of New Media“ zu lesen. Darin entwirft er unter anderem Zukunftsszenarien rund um das Thema Netzwerkgesellschaft.

 

 

hd

Bildquelle: WCIT 2010 Amsterdam, Challenges of Change

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