The Sound of Twitter

„Wie klingt eigentlich Twitter?“ – „Soll ich raten? Gar nicht?“ – „Falsch.“ – „Hmm, dann vielleicht nach ganz viel KlickKlack-KlickKlack von Tastaturen …?“ – „Nein, auch nicht.“ – „Tja, dann weiß ich‘s auch nicht. Wie denn?“

So, oder so ähnlich muss die Diskussion vor der Gründung von tweetscapes gelaufen sein. Und weil die Jungs von HeavyListening vielleicht genau so ratlos waren, haben sie versucht, Twitter zum klingen zu bringen. Seitdem übersetzen die Berliner Klangkünstler deutschsprachige Tweets in eine gewöhnungsbedürftige, aber hoch interessante Klangwelt. Wie funktioniert das? Eigentlich erstaunlich einfach. Zumindest in der Theorie. Bestimmten Themenbereichen wurden vor Beginn des Projekts charakteristische Sounds zugeordnet. Ein Programm wertet auf dieser Basis Tweets aus Deutschland aus – insbesondere deren Hashtags –, ordnet sie Themen zu, lässt die Tweets auf einer virtuellen Deutschlandkarte innerhalb weniger Sekunden erscheinen und spielt den entsprechenden Sound dazu ab.

 

 

Heraus kommt viel Klicka-Klacka (also doch!), ein bißchen Synth-Ächzen mit viel Hall und einige Tiergeräusche. Interessanterweise hört man sich mit der Zeit ein – ich höre zum Beispiel schon die ganze Zeit, während ich das hier schreibe. Nicht, dass ich jetzt schon die Themen den Klängen zuordnen könnte. Aber: Wie die Macher des Projekts selbst betonen, scheint tweetscapes bei Blinden großen Anklang zu finden. Die können den Tweets offenbar nach einiger Zeit Themen zuordnen – ich nehme an mit Hilfe – und wissen so mit einiger Übung, über was Deutschland gerade twittert. Ist das nicht irre? (Ich glaube übrigens, dass eben etwas zu ICQ getwittert wurde … es hat Oh-oh gemacht.)

Mit der Zeit merkt man sich tatsächlich wiederkehrende Geräusche. Sie lassen auf eine momentan intensive Diskussion über ein bestimmtes Thema schließen. Unterscheidbar werden die Sounds vor allem dadurch, dass sie stereo abgespielt werden. Heißt: Man hört dann beispielsweise einen dumpfen, wiederkehrenden Bass auf der rechten Seite, dessen Hall sich nach links zieht.

 

 

Spannend ist dabei, dass das Ganze gar nicht so wahnsinnig arythmisch klingt. Teilweise sogar beinahe melodisch. Und: Es gibt „musikalisch“ Aufs und Abs. Mal ist viel los, mal wenig. Mal wird es lauter, mal leiser. Einmal war eben für wenige Sekunden beinahe Stille. Es lohnt sich also auf jeden Fall mal reinzuhören. Denn abwechslungsreich ist es allemal. Und viel weniger informativ als Twitter selbst ist es auch nicht … Dafür aber deutlich innovativer.

 

 

 

 

lg

Bildquelle: tweetscapes, alle Rechte vorbehalten

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