Kein Facebook, kein Job (Teil III)

 

Seit annähernd einem Monat bin ich wieder dabei. Facebook hat mich zurück. Oder habe ich Facebook zurück? Wohl von beidem ein bißchen.

Facebook hat mich zurück, weil es einen Werbekunden gewonnen hat. In Zeiten wie diesen ist das eine Nachricht. In den USA hat das Netzwerk gerade etwas mehr als ein Prozent seiner Nutzer verloren. Man muss dazu wissen: Die USA sind der Hauptmarkt des Unternehmens. Nicht nur, weil es dort seinen Hauptsitz hat; in den USA lässt sich vor allem am meisten Geld mit Facebook-Werbung verdienen. Ein Minus von einem Prozent – und das innerhalb kürzester Zeit – tut da schon weh. Als Kunde würde ich es mir allerdings überlegen, bei Facebook zu buchen. Denn das Unternehmen interpretiert irgendetwas, das ich tue, ganz gründlich falsch. Ich nehme an, es liegt daran, dass ich keinen Beziehungsstatus angegeben habe. Jedenfalls bekomme ich ziemlich viele Hinweise auf Single-Börsen (3 von 5). Wenn das mal nicht rausgeworfenes Geld ist …

Ich habe Facebook zurück, weil ich einige Male sehr über Posts gelacht habe. Mehr fällt mir gerade nicht ein. Eigentlich ist das traurig. Aber andererseits zeigt mir das, dass ich in der Zeit ohne Facebook ganz offensichtlich gelernt habe, wie es ist, ohne Facebook zu sein. Ich kann das jetzt. Und es funktioniert sogar noch, wenn ich wieder bei Facebook bin. Mir hat ohne Facebook nichts gefehlt, jetzt habe ich sozusagen einen kleines Bonus. Rückblickend muss ich sagen, dass ich vor allem in den ersten Tage ziemlich häufig auf meinem Profil war. Es gab vieles, was neu war. Es gab viele Leute, die mir geschrieben haben. Aber jetzt ist es wieder gewohnt und jetzt ist es vor allem wieder ziemlich langweilig.

 

Geänderte Gewohnheiten

Das liegt daran, dass ich meine Gewohnheiten während der abstinenten Zeit grundlegend geändert habe. Digital habe ich mich daran gewöhnt, per Whatsapp, iMessage oder Mail zu kommunizieren. Vor allem kommuniziere ich mittlerweile aber wieder lieber persönlich. Und deshalb brauche ich Facebook gar nicht mehr so dringend, wie es mal schien. Außerdem habe ich gerade so viel zu tun, dass ich überhaupt keine Zeit habe, auf Facebook abzuhängen. Früher war es so, dass ich dort vor allem dann abhing, wenn ich viel zu tun hatte. So etwas wie einen Facebook-Blocker bräuchte ich jetzt gar nicht. Ich gehe nur noch drauf, wenn mir langweilig ist. Nicht zum Zweck der Prokrastination.

Da haben sich also wirklich basale Dinge geändert. Ich sehe das positiv. Sicher gehe ich zwar täglich auf Facebook. Und das ehrlicherweise nicht nur, wenn mir jemand geschrieben hat. Aber ich dosiere es jetzt viel bewusster. Ich gehe drauf, wenn ich irgendwo warte, meine Zeitung ausgelesen ist und meine Verabredung noch nicht da ist. Also dann, wenn ich sonst nur aktiv stehen würde. Es gibt Orte, an denen sich aktiv stehen lohnen kann. Diese Orte sind aber für gewöhnlich außerhalb von Großstädten. Vor allem außerhalb von Großstädten, die man schon seit Jahren bewohnt; heißt: in denen man sowieso schon überall mal aktiv nur stand.

 

Manchmal hilft es sogar

Jetzt, wo ich einen Grund hatte, Facebook wieder beizutreten, überwiegen für mich im Alltag die Vorteile. Das gilt allerdings ausdrücklich nur in Verbindung mit meinen neuen Nutzungsgewohnheiten. Es hilft mir erstens bei dem Job, für den ich den ganzen Quatsch wieder angefangen habe. Die Koordination der Redaktion ist tatsächlich sehr schnell und einfach möglich. Das funktioniert blendend. Und zweitens hat sich der Beitritt gelohnt, weil wir diesen Blog über Facebook besser vernetzen können. Das hat zur Bekanntheit dessen, was wir hier machen, deutlich beigetragen.

Allerdings stelle ich fest: Mir werden jetzt ziemlich viele überflüssige Funktionen des Netzwerks bewusst. Beispielsweise war ich letztens auf einer Party und eine Freundin hat mich am Veranstaltungsort markiert. Ich meine, wer genau braucht die exakten GPS-Daten der Party? Naja … wohl am ehesten noch Facebook. Ich jedenfalls weiß ja, wo sie stattgefunden hat. Ich war schließlich gerade mit ihr da. Und jemand anderes hätte so spontan gar nicht mehr hinkommen können. Ich wurde etwa um 2 Uhr nachts markiert … Außerdem bemerke ich immer häufiger, wie sinnlos es doch ist, zu posten. In den fast vier Wochen meiner Mitgliedschaft habe ich zwei Dinge gepostet. Einen Post habe ich wieder gelöscht, weil er irgendwie albern war. Und ich bemerke an meinem zweiten Post: Ich poste nicht mehr, weil ich hoffe, viele Likes und Comments zu bekommen. Ich hoffe jetzt darauf, dass sich jemand anderes mit dem gepostetem Video genau so viel Spaß hat, wie ich. Und wenn nicht, dann ist das auch nicht schlimm. Früher war das mal anders …

 

 

 

lg

Bildquelle: dkalo (flick.com) unter cc by-sa 2.0

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s