Facebook will’s wissen: Ist dies der echte Name deines Freundes?

Facebook hat eine neue Funktion gelauncht, die Facebook-User beim Besuchen des Profils eines Freundes fragt: „Ist dies der echte Name deines Freundes?“ In der Erklärung der Rechte und Pflichten schreibt das Netzwerk: „Facebook-Nutzer geben ihre wahren Namen und Daten an und wir benötigen deine Hilfe, damit dies so bleibt.“ Darauf wird sich das Unternehmen bei der Verteidigung dieses Vorgehens stützen. Denn weiter lautet die Bestimmung, dass man „keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook bereitstellen“ dürfe. Dazu gehört selbstverständlich auch der Name.

Weniger kritisch macht diese schriftliche Bestimmung das Vorgehen trotzdem nicht. Stiftung Warentest schreibt auf ihrem Facebook-Profil beispielsweise, die Funktion sei „(freundlich ausgedrückt) reichlich fragwürdig.“ Denn die Nutzer haben durchaus einen Grund, ihre Daten nicht in vollem Umfang an Facebook abzutreten. Zum einen, weil sie das Datensammlungs-Monopol im Silicon Valley nicht unterstützen. Zum zweiten, weil sie auch mit Blick auf Bewerbungen und Bekannte, mit denen sie keinen Kontakt mehr haben möchten, nicht über ihren wahren Namen gefunden werden möchten. Und drittens, weil im Netz immer schon mit Namens-Anagrammen, Nicknames und Fantasiecharakteren gespielt wurde. Das ist einfach Teil der kreativen Netzgemeinde.

 

facebook ist das der echte name deines freundes

 

Zu verhindern wird das Vorgehen Facebooks nicht sein. Sinnvoll ist es deshalb, die Anfrage einfach nicht zu beantworten. Denn im Gegensatz zu offiziellen Dokumenten wie Urkunden, Personalausweisen o.ä. handelt es sich beim Facebook-Profil nicht um ein identitätsverbürgendes Dokument, sondern schlicht um ein Profil auf einer Kommunikationsplattform. So lange die Kontakte also wissen, an wen sie sich mit ihren Mitteilungen zu wenden haben, ist die Plattform in der Lage, ihre Funktion zu erfüllen. Und da das auch früher in Zeiten von ICQ und MSN auch mit Namen wie Schnuckibär 675 oder Fallafel_Kopf2 geklappt hat, wird es heute bei leichten Abänderungen – wie Katharina in Kater Ina – wohl auch möglich sein.

Facebook löst also wieder einmal nicht die Probleme seiner User, sondern Probleme, die für das Unternehmen und dessen wirtschaftlichen Erfolg von Bedeutung sind. Dabei ist es auf die Unterstützung seiner Nutzer angewiesen. Mit dem Verweigern der Unterstützung wird man das Bestreben Facebooks zwar nur kurzzeitig bremsen, bis neue Wege gefunden sind. Aber immerhin kann man dann noch ruhigen Gewissens schlafen gehen. Denn: Was mit den Verrätern in Gangster-Filmen passiert, haben wir wohl alle in schlechter Erinnerung.

Im Zusammenhang mit solchen potentiellen Verrätern werden immer wieder Begriffe wie Blockwart und Stasi in die Diskussion eingebracht. Abgesehen davon, dass die Vorgehensweise Facebooks (zum Glück) nicht einmal im Ansatz etwas mit derartigen – zu großen Teilen lebensgefährlichen oder zumindest freiheitsberaubenden – Eingriffen des Staates in das Privatleben der Menschen hat, hinkt dieser übertriebene Vergleich in mehrerlei Hinsicht. Erstens steht es jedem frei, sein Facebook-Profil zu löschen. Und dieser Akt ist bei weitem nicht mit Folgen wie Auswanderung o.ä. zu vergleichen. Und zweitens sind der Blockwart und der Stasi-Spitzel meist nicht mit ihren Opfern „befreundet“ gewesen. Heißt: Im Idealfall halten die „Freunde“ zusammen und schützen einander. Das Problem ist nur, dass der Freundschaftsbegriff bei Facebook recht dehnbar ist. Dadurch kann es durchaus vorkommen, dass die Frage Facebooks an einen „Freund“ gerät, dem der Schutz des „Freundes“ relativ egal ist. Erst dann wird die Vorgehensweise zum Problem. Mit der Stasi oder Blockwarten hat das aber trotzdem beileibe nichts zu tun.

Ein Einwand, sich doch nicht so aufzuregen, geht in die Richtung, dass Facebook den überwiegenden Teil seiner Nutzer ohnehin bereits über die E-Mail-Adresse und/oder die Handynummer seiner Anonymität enthoben hat. Auch dann, wenn das Profil unter einem Fantasienamen läuft. Dieser Einwand trifft grundsätzlich wohl zu. Allerdings: Wenn dieses System wirklich so gut funktioniert, wieso macht Facebook dann plötzlich so umfangreich Jagd auf Profile, die unter falschen Namen laufen? Würde sich das lohnen? Eher nein. Denn wenn ich 95% meiner Nutzer (und das ist eine vorsichtige Schätzung) beim echten Namen kenne, können mir die restlichen 5% letztlich egal sein – vor allem vor dem Hintergrund des Aufwandes und der automatisch aufkommenden Aufregung, die mit einer solchen Befragung verbunden sind.

Was genau hinter der Sache steckt, bleibt mindestens abzuwarten, bis offizielle Stellungnahmen der Verantwortlichen folgen …

 

 

 

lg

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