Social-Media für alle! … Oder?

Es ist doch immer wieder verwunderlich, wer alles eine Fanpage auf Facebook betreibt. Es ist damit wie überall: Manche Dinge machen Sinn, andere nicht. Künstler können über die sogenannten Fanpages beispielsweise Bekanntheit erreichen, die sie ohne Facebook überregional vielleicht niemals bekämen. Macht Sinn. Marken können ihre neuesten Produkte anpreisen, ohne dafür etwas zahlen zu müssen. Macht bedingt Sinn – nämlich nur insofern, als andere bereit sind, diese Werbung aus eigenem Antrieb zu abonnieren, indem sie die Seite liken. Seiten von Produkten, die keiner will, machen also keinen Sinn. Ein gutes Beispiel dafür ist die neue Facebook-Seite der Münchener LMU. Warum?

In allen Fällen gilt, dass ein besonders hoher Effekt erreicht werden kann, sofern die likende Person einen Mehrwert zu bekommen meint. Bei Künstlern ist der Mehrwert klar. Man bekommt Infos zu Releases, Konzerten, Parties, und anderem für Fans Interessantem. Bei Firmen ist dieser Mehrwert schwerer zu ermitteln. Folgender Vergleich birgt aber einen Hinweis: Der Mehrwert scheint bei „Müllermilch Kokos“ (aktuell 326 Likes) deutlich geringer zu sein, als bei Nike (9,2 Mio. Likes) oder RedBull (28,6 Mio. Likes). Bei RedBull sind die vielen Events und Aktionen des Herstellers, über die man etwas erfährt der Mehrwert. Bei Nike ist es der gewisse Tick Lifestyle und Coolness, den der Like in der eigenen Favoriten-Liste bringt. Bei Müllermilch Kokos sind derartige Effekte nicht erkennbar …

Jetzt hatte ich vor wenigen Tagen eine E-Mail in meinem Posteingang, die eben diese Frage nach dem Mehrwert wieder einmal aufgeworfen hat. Der Inhalt der Mail lautete:

„OFFIZIELLE FACEBOOK-SEITE – DIE LMU IST JETZT AUF FACEBOOK
Liebe Studentinnen und Studenten,
die LMU ist jetzt auf Facebook: Aktuelle Informationen und nützliche Tipps zum Studium, Hinweise auf interessante Veranstaltungen auf dem Campus und Einblicke in das vielfältige Leben der Uni – das finden Sie auf der offiziellen Facebook-Seite der LMU.“

Der angebliche Mehrwert der Seite steht bereits in dem Text, aber wirklich schlüssig wirkt er nicht. Einen Veranstaltungskalender findet man auf der Website ebenso wie alle Infos, die man zum Studium an der LMU braucht. Für Nachrichten wie: „Morgen und am Mittwoch sind Hochschulwahlen an der LMU. Ihr wählt eure Studentenvertreter.“ brauche ich keine Facebook-Fanpage – damit ist die komplette Uni großflächig plakatiert. Auch die Pseudo-Universitätsgeschichte, die sich in der „Chronik“ der Seite verbirgt, enthält keine großartig neuen Infos, die über das Gründungsdatum, die Umstände der Namensgebung, die erstmalige Zulassung von Frauen zum Studium und den Widerstand der Weißen Rose hinausgingen.

Wozu also sollte eine Uni eine Facebook-Fanpage haben? Sind diese beinahe absurden Beispiele nicht Grund genug, einmal darüber zu reflektieren, wie irrsinnig es ist, dass heute wirklich jeder meint, auf Facebook sein zu müssen – notfalls auch nur, um auf Facebook zu sein? Der Ausspruch „Wir müssen mal was in die Richtung Social Media machen“ geht diesen Seiten meist voraus. Und schon engagieren alte Menschen junge Menschen, die Ihnen eine Facebook-Page einrichten. Dort passiert dann, nachdem sich der erste Enthusiasmus gelegt hat, meist bald nicht mehr all zu viel. Und so trägt der blindwütige Netz-Aktivismus einiger selbsterklärter Marketing- und Media-Strategen dazu bei, dass nur umso mehr Account-Leichen auf Facebook ihr trauriges Dasein fristen. Die LMU liken bisher um die 4.800 Leute. Die 5.000er-Marke sollte die Page schon noch knacken, um sich in eine Liga weitab von „Müllermilch Kokos“ zu hieven. Bis Nike oder gar RedBull muss aber wohl noch ein bißchen an der Mehrwert-Schraube gedreht werden. Ein Vorschlag: die Vorab-Veröffentlichung von Prüfungsfragen o.ä. könnte extrem zur Beliebtheit der Fanpage beitragen … Das wäre mal ein echter Mehrwert.

 

 

 

lg

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