„Das ist das schwarze Loch in meinem Leben“

 

Warst Du heute schon auf Facebook?

Ja, klar! Ich war heute Morgen nach dem Aufstehen kurz online, weil ich ein paar Nachrichten bekommen habe. Und danach war ich noch zwei oder drei Mal auf meiner Facebook-App, um zu schauen,  … ob mir jemand geantwortet hat? (lacht)

 

Seit wann bist Du bei Facebook angemeldet?

Seit 2008.

 

Warum hast Du Dich damals angemeldet?

Also, ich hatte mich schon 2007 kurz angemeldet. Damals waren aber noch alle bei StudiVZ. Bei Facebook war es ganz leer, das war komisch. Und als ich keinen meiner Freunde gefunden habe, habe ich mich wieder abgemeldet. 2008 habe ich dann mitbekommen, dass die große Wanderung von StudiVZ zu Facebook begann. Da habe ich dann auch endgültig gewechselt.

 

Seitdem warst Du zwischendrin mal kurz ganz raus aus Facebook. 

Zwischendrin, ja. Das ist das schwarze Loch in meinem Leben. (lacht)

 

Von wann bis wann hatte Dich dieses schwarze Loch verschluckt?

Von November 2011 bis Anfang Februar 2012, also ungefähr drei Monate.

 

Warum hattest Du Dich abgemeldet?

Ich hatte mehrere Gründe: Zum ersten hat es mich furchtbar gestresst, dass ich immer nachgeschaut habe, ob irgendetwas passiert ist, ob irgendwelche Leute etwas gepostet oder kommentiert haben usw. Dieses Gefühl, es könnte 24 Stunden am Tag etwas „passieren“. Das verfolgt einen dann irgendwie. Und der zweite Grund war, dass ich ins Ausland gegangen bin. Das klingt erstmal komisch, aber mit dem Ausstieg wollte ich meine Freunde motivieren, sich wirklich bei mir zu erkundigen und nicht nur meine Posts auf Facebook zu lesen und meine Fotos anzuschauen. Nach dem Motto „Pah, wenn ihr etwas von mir wissen wollt, dann müsst ihr mir schon schreiben.“

 

Und hat das geklappt?

Ja, sogar leider viel zu gut. Das ist auch einer der Gründe warum ich mich wieder bei Facebook angemeldet habe. Eigentlich war nämlich ich die Gekniffene. Plötzlich hatte ich sieben unbeantwortete Mails von Freunden, die sich wirklich nach mir erkundigt hatten – weil ich nichts mehr bei Facebook gepostet habe. Und da habe ich gemerkt, dass ich gar nicht die Zeit und die Muße habe, dem gerecht zu werden.

 

Das heißt, du musstest Dich wieder anmelden, um zu einem Kontakt zurückzukehren, der zeitlich zu bewältigen war?

Ja, so könnte man das sagen. Ich hatte das Freundschaftenpflegen auf Distanz vollkommen unterschätzt. Da hilft das Kurze und Flüchtige, das man mit Facebook verbindet. Du hast einfach das Gefühl, auf dem Laufenden zu sein, ohne etwas dafür tun zu müssen. Das ist zwar sehr passiv, aber du bist immer auf dem neuesten Stand. Gerade, wenn man viele Freunde hat, die weit weg sind. Da erleichtert Facebook das Pflegen von Freundschaften enorm.

 

War das der einzige Grund, Dich wieder anzumelden?

Nein, ich habe mich auch wieder angemeldet, weil ich gemerkt habe, dass Facebook gerade im Ausland auch beim Aufbauen von Kontakten hilft. Das gehört zu unserer Sozialisierung. Die Hemmschwelle, jemanden nach der Nummer zu fragen, ist heute viel größer als früher – durch das Zwischenmedium Facebook. Du fragst heute nicht mehr nach der Nummer, sondern nach dem Facebook-Namen. Das ist nicht so persönlich und vor allem unverbindlich, gerade bei flüchtigen Bekanntschaften. Deshalb kommt jetzt die Frage „Are you on Facebook?“ Wenn du das aber verneinst, fragt dich keiner nach deiner Nummer. Facebook ist damit so eine Art Grauzone für den Kontakt. Es ist nicht wirklich Kontakt, aber doch eine Art Beziehung.

 

Weil der Wiedereinstieg so einfach war, nehme ich an, dass Du nicht abgemeldet sondern deaktiviert warst?

Ja, richtig. Ich war nur deaktiviert, um mir noch eine Hintertür offenzuhalten. Für den Fall, dass ich es zu sehr vermisse.

 

Du hast schon erzählt, dass und warum es Dir gefehlt hat. Wie war es dann, als Du wieder eingestiegen bist?

Ich muss sagen, dass meine Facebook-Nutzung relativ schnell wieder gestiegen ist. Am Anfang war es noch so, dass ich auch mal zwei bis drei Tage gar nicht online war. Aber Klar, jetzt bin ich wieder jeden Tag auf Facebook. Ich glaube, sonst macht das ja auch gar keinen Sinn. Entweder ganz oder gar nicht.

 

Nachdem Du jetzt beides erlebt hast: Überwiegen die Vor- oder die Nachteile von Facebook?

Klar stresst es mich wieder, dass ich ständig online bin. Ich habe schon öfters das Gefühl, meine Zeit zu verschwenden. Jedes Mal wenn ich auf Facebook bin, mache ich schließlich irgendetwas anderes nicht. Ich habe ja jetzt den Vergleich – und als ich nicht angemeldet war, habe ich tatsächlich Sinnvolleres in der Zeit gemacht. Gerade in Entspannungsphasen. Da habe ich dann Zeitung gelesen oder etwas in der Art. Heute bin ich wieder bei Facebook. Die „Zeitverschwendung“, das heißt die Zeit, in der du dich von deiner Arbeit ablenkst, ist mit Sicherheit die gleiche. Sie unterscheidet sich nur qualitativ: Heute weiß ich, dass ein Freund eine neue Frisur hat. Die Lektüre des FAZ-Feuilletons hat mir sicher trotzdem mehr gebracht. Insgesamt überwiegt für mich aber die Erleichterung, Kontakte zu pflegen und immer auf dem Laufenden zu sein. Das wiegt die Nachteile absolut auf.

 

 

 

lg

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